NFL unter Druck: Florida will die Rooney Rule abschaffen

Der Generalstaatsanwalt Floridas hat NFL-Commissioner Roger Goodell offiziell aufgefordert, die Rooney Rule abzuschaffen. Er bezeichnet die seit 2003 geltende Regelung zur Förderung von Minderheitskandidaten bei Coach- und GM-Suchen als Diskriminierung.

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Mariano Glas

Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Florida hat NFL-Commissioner Roger Goodell in einem formellen Brief aufgefordert, die Rooney Rule abzuschaffen. In dem Schreiben bezeichnet er die seit 2003 geltende Regelung als "offene Rassen- und Geschlechterdiskriminierung" und argumentiert, Einstellungsentscheidungen sollten ausschließlich auf Leistung basieren - unabhängig von Herkunft oder Geschlecht der Kandidaten.

Was ist die Rooney Rule?

Die Rooney Rule wurde 2003 eingeführt und ist nach dem verstorbenen Pittsburgh Steelers-Owner Dan Rooney benannt, der sich jahrelang für mehr Diversität in NFL-Führungspositionen eingesetzt hatte. Die Regel verpflichtet Teams dazu, bei der Suche nach einem neuen Head Coach oder General Manager mindestens einen Kandidaten aus einer Minderheit zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen.

Seitdem wurde die Regel mehrfach erweitert: Heute gilt sie auch für koordinierende Trainerposten sowie für bestimmte Front-Office-Positionen. Ziel war stets, strukturellen Benachteiligungen entgegenzuwirken und die Einstellungspraxis der Liga transparenter zu gestalten.

Die Argumentation aus Florida

Der Generalstaatsanwalt sieht in der Vorschrift eine umgekehrte Diskriminierung: Wer Kandidaten aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe bevorzugt interviewen müsse, behandle andere Bewerber ungleich. Diese Logik orientiert sich an einer breiteren politischen Debatte in den USA, in der Maßnahmen zur Förderung von Diversität, Gleichstellung und Inklusion (DEI) zunehmend rechtlich angefochten werden.

Die NFL reagierte zurückhaltend. Ein Liga-Sprecher erklärte lediglich, man werde den Brief prüfen. Eine inhaltliche Stellungnahme blieb bislang aus.

Einordnung

Die Rooney Rule hat in ihrer mehr als zwanzigjährigen Geschichte gemischte Bilanzen erzielt. Kritiker verweisen darauf, dass der Anteil schwarzer Head Coaches in der NFL trotz der Regelung nach wie vor weit hinter dem Spieleranteil zurückbleibt. Befürworter hingegen sehen sie als notwendiges Instrument, um überhaupt eine Chance auf Repräsentation zu gewährleisten. Ob der politische Druck aus Florida eine rechtlich bindende Wirkung entfalten kann, ist fraglich - die NFL ist eine private Organisation und nicht direkt an staatliche Vorgaben gebunden. Der Brief dürfte dennoch Teil einer wachsenden Debatte bleiben, die die Liga mittelfristig beschäftigen wird.

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