Analyse

Mock Draft Shakeup: Was machen die Giants mit Pick 6 und Pick 10?

Vier Tage vor dem Draft liegen plötzlich zwei Top-10-Picks bei den Giants. Der Deal um Dexter Lawrence II zwingt Mel Kiper und die großen US-Redaktionen, ihre Top 10 komplett neu zu sortieren.

·
Mariano Glas

Der Trade vom 19. April hat die Mock-Draft-Landschaft drei Tage vor Beginn der NFL Draft-Nacht härter durcheinandergewirbelt als jeder andere Move der vergangenen Jahre. New York Giants schicken Dexter Lawrence II zu den Cincinnati Bengals und kassieren dafür den zehnten Pick. Cincinnati bindet den Defensive Tackle per Einjahresvertrag über 28 Millionen Dollar. Das Resultat für New York: zwei Picks in den Top 10, Nummer 6 und Nummer 10, in einer Draft-Klasse, in der die Abstände zwischen Platz drei und Platz zwölf so klein sind wie lange nicht mehr.

Mel Kiper bei ESPN, die Redaktionen von Bleacher Report, CBS Sports und USA Today haben ihre finalen Mock Drafts am Wochenende nachgezogen. Die zentrale These fast aller Ausgaben: Der Lawrence-Deal ist kein Nebenschauplatz, sondern der Dreh- und Angelpunkt der ersten Runde. Wer vor dem Trade auf Platz acht oder neun auf dem Board lag, rutscht jetzt entweder in die Top 7 oder fällt bis ins späte Ende der ersten Runde. Ein Mittelweg existiert in den aktualisierten Boards kaum.

Giants als heimliche Gewinner

GM Joe Schoen sitzt auf der komfortabelsten Position der ersten Runde. Bei Pick 6 gelten Abdul Carter aus Penn State und Cornerback-Wide-Receiver Travis Hunter als die wahrscheinlichsten Ziele. Kiper hat in seiner letzten Version Carter auf Platz 6 zu den Giants geschrieben. Bleacher Report schlägt Hunter vor und argumentiert, dass New York auf beiden Seiten des Balls einen Unterschiedsspieler bekommt.

Spannender ist Pick 10. CBS Sports sieht die Giants dort auf Will Campbell zugreifen, den Offensive Tackle aus LSU. USA Today spielt ein Ohio-State-Szenario durch, das in der Szene seit Sonntag diskutiert wird: Beide Picks gehen an Prospects aus Columbus. Die Bengals hätten in diesem Fall indirekt den Wiederaufbau der Giants-Defense und deren Line finanziert.

Die andere Option bleibt ein Trade-Down. Wer 10 abgibt, kann den zweiten Pick in die zweite Runde verlängern. Schoen hat am Montag signalisiert, dass er sich nicht festlegt. Aus Sicht der Board-Struktur spricht allerdings mehr für zwei Sofort-Starter als für Draft-Kapital im Jahr 2027.

Bengals und die neue AFC North

Cincinnati zieht den Trade aus einer klaren Logik. Die Defensive Line war 2025 das schwächste Glied der Einheit, und mit Lawrence bekommt Head Coach Zac Taylor einen Pro-Bowl-Anker für ein Jahr. 28 Millionen Dollar sind kein Schnäppchen, aber die Bengals kaufen sich damit ein Play-off-Fenster, in dem Joe Burrow fit und vertraglich gebunden ist.

Der Preis: kein Top-10-Pick im Draft 2026. Cincinnati rutscht in der ersten Runde nach hinten und muss im zweiten und dritten Tag liefern. Kiper rechnet vor, dass die Bengals mindestens zwei Offensive-Line-Prospects und einen Safety brauchen. Malaki Starks aus Georgia ist in mehreren Mocks mit dem Pick verbunden, den Cincinnati für Lawrence zurückbekommt.

Kollateral-Schäden

Die Carolina Panthers auf Pick 7 sind die zweite große Bewegung in den aktualisierten Top 10. Vor dem Trade galt Ashton Jeanty als wahrscheinliches Ziel, jetzt taucht in Kipers Version plötzlich Campbell auf, weil Hunter und Carter schon vom Board sind. Bleacher Report schreibt den Running Back aus Boise State weiter nach Carolina, CBS zieht ihn auf Platz 9 zu den San Francisco 49ers.

San Francisco ist der Profiteur des Rutsches. Wer vor dem Trade auf einen Edge oder Tackle im späten Top 10 gehofft hatte, bekam die Top-Namen abgegriffen. Jetzt liegt mit Jeanty oder einem durchgerutschten Defensive Tackle wie Kenneth Grant aus Michigan ein realistisches Upgrade auf dem Tisch. Für Kyle Shanahan ist das ein Szenario, das ohne den Giants-Deal so nicht existiert hätte.

Quarterback Cam Ward bleibt in allen vier Redaktionen auf Platz eins. Die Bewegung passiert dahinter, nicht an der Spitze. Genau das macht den Lawrence-Trade zu einem strukturellen Ereignis: Er verschiebt nicht den besten Spieler der Klasse, sondern die Reihenfolge dahinter, in der sich die Franchise-Identitäten der nächsten drei Jahre entscheiden.

Auch bei den Teams auf den Plätzen 11 bis 15 ist die Unruhe zu spüren. Wer vor dem Trade mit einem Slide von Carter oder Hunter rechnete, kann diese Option streichen. Die Tennessee Titans und die New York Jets, die hinter den Giants warten, müssen nach dem gleichen Prinzip neu sortieren. Das Board wird an genau der Stelle aufgebraucht, an der bisher die Luxus-Entscheidungen lagen.

Ausblick auf Green Bay

Am 23. April um 2 Uhr deutscher Zeit beginnt die Draft-Nacht in Green Bay. New York eröffnet sie zweimal. Die Frage ist nicht, ob Schoen zwei Starter zieht, sondern in welcher Reihenfolge und ob der zweite Pick als Trade-Chip weitergereicht wird. Die Bengals haben ihren Teil erledigt. Die Giants haben den Rest der ersten Runde in der Hand. Wer sie in dieser Woche nicht im Auge behält, verpasst die einzige echte Entscheidung der ersten Runde.

Beteiligte Teams

Erwähnte Spieler

Zuletzt aktualisiert: