NFL unter Druck: US-Justizministerium prüft überhöhte TV-Preise

Das US-Justizministerium hat eine Kartellrechts-Untersuchung gegen die NFL eingeleitet. Im Fokus steht die Frage, ob Fans durch die TV-Rechte-Vergabe zu viel zahlen müssen.

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Mariano Glas

Die NFL bekommt Besuch von ganz oben: Das US-Justizministerium (Department of Justice) hat eine Kartellrechts-Untersuchung eingeleitet und prüft, ob die Liga ihre Fans durch die Vergabe der TV-Rechte zu viel zahlen lässt. Das Wall Street Journal berichtete zuerst über die Ermittlungen.

Konkret geht es um die Frage, wie die NFL ihre Spiele auf Broadcast-Sender, Kabel-TV und Streaming-Plattformen verteilt. Das System ist für Fans in den USA seit Jahren ein teurer Flickenteppich: Wer alle Spiele sehen will, braucht mittlerweile ein halbes Dutzend verschiedener Abos. Sunday Ticket bei YouTube TV, Thursday Night Football bei Amazon Prime, Monday Night Football bei ESPN. Dazu kommen die exklusiven Playoff-Fenster und internationale Spiele. Das DOJ will nun klären, ob diese Aufteilung den Wettbewerb einschränkt und die Preise für Fans künstlich nach oben treibt.

Der Sports Broadcasting Act als Fundament

Der Hintergrund ist juristisch spannend. Seit dem Sports Broadcasting Act von 1961 darf die NFL ihre TV-Rechte kollektiv verhandeln, also als gesamte Liga statt als einzelne Teams. Dieses Privileg war damals als Fan-freundliche Maßnahme gedacht, weil so mehr Spiele im frei empfangbaren Fernsehen landen sollten. Ob das in Zeiten von Streaming-Exklusivdeals noch so gilt, ist die zentrale Frage der Ermittlung.

Die NFL reagierte erwartbar und erklärte, ihr Vertriebsmodell sei das „fan- und broadcaster-freundlichste in der gesamten Sport- und Unterhaltungsindustrie“. Das klingt gut, aber die Realität sieht für den durchschnittlichen US-Fan anders aus. Wer die komplette NFL-Saison verfolgen will, zahlt mehrere hundert Dollar pro Jahr für verschiedene Abonnements.

Was bedeutet das für deutsche Fans?

Für den deutschen Markt hat die Untersuchung keine direkten Auswirkungen. DAZN hält die Übertragungsrechte für Deutschland und das Angebot ist vergleichsweise übersichtlich. Sollte das DOJ allerdings strukturelle Änderungen erzwingen, könnte das mittelfristig die gesamte Rechte-Landschaft verschieben. Günstigere Streaming-Pakete in den USA würden den internationalen Markt unter Druck setzen.

Wie lange die Ermittlungen dauern und ob am Ende tatsächlich Konsequenzen stehen, ist offen. Klar ist nur: Die NFL hat ein neues Problem, das sich nicht mit einem guten Drive lösen lässt.

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