Justizministerium eröffnet Kartellverfahren gegen die NFL wegen TV-Verträgen

Das US-Justizministerium ermittelt gegen die NFL wegen möglicher wettbewerbswidriger Praktiken bei ihren Medienverträgen. Im Zentrum steht die Frage, ob Fans durch die Aufteilung der Spiele auf Broadcast, Kabel und Streaming zu hohe Abo-Kosten aufgebürdet werden.

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Mariano Glas

Das amerikanische Justizministerium hat eine kartellrechtliche Untersuchung gegen die NFL eingeleitet. Im Fokus stehen die Medienverträge der Liga und die Frage, ob deren Verteilungsmodell die Abo-Kosten für Fans künstlich in die Höhe treibt. Das Wall Street Journal hatte die Story zuerst gemeldet.

Die Ermittler prüfen laut Berichten von CNBC und ESPN sogenannte „anticompetitive tactics“ bei der Vergabe der TV-Rechte. Konkret geht es um die affordability for consumers und gleiche Wettbewerbsbedingungen für die beteiligten Anbieter. Die Aufteilung der Spiele auf Broadcast, Kabel-TV und mehrere Streaming-Dienste zwingt Zuschauer dazu, parallel mehrere kostenpflichtige Abonnements abzuschließen, um die komplette Saison sehen zu können.

Die NFL weist die Vorwürfe zurück. Die Liga bezeichnet ihr Verteilungsmodell als das „most fan and broadcaster-friendly in the entire sports and entertainment industry“ und verweist auf die Saison 2025, die meistgesehene NFL-Spielzeit seit 1989. 87 Prozent der Spiele liefen weiterhin im Free-TV, Heimmarkt-Spiele blieben grundsätzlich im lokalen Broadcast verfügbar.

Der 111-Milliarden-Dollar-Deal im Hintergrund

Die aktuellen Medienverträge laufen über elf Jahre und bringen der NFL rund 111 Milliarden Dollar bis zur Saison 2033/34. Partner sind CBS, NBC und Fox im Broadcast, dazu ESPN und Amazon Prime Video. Die Liga will diese Verträge früher als geplant neu verhandeln und eine Opt-out-Klausel nach der Saison 2029/30 streichen lassen. CBS zahlt derzeit etwa 2,1 Milliarden Dollar pro Jahr und könnte auf über 3 Milliarden steigen. Auch ein zusätzliches Streaming-Paket bei Netflix wird diskutiert.

In der Vorwoche hatten Fox Corp. und Sinclair bei der FCC ähnliche Bedenken vorgebracht. Sport gehöre nicht hinter Paywalls. Die NFL profitiert seit 1961 vom Sports Broadcasting Act, einer Ausnahme vom Kartellrecht für ihre kollektiven TV-Verhandlungen. Laut The Hollywood Reporter nimmt die Trump-Administration das wertvollste Programmsegment des Fernsehens ins Visier.

Für deutsche Fans ist die Debatte nicht weit weg. Hierzulande verteilen RTL und der DAZN-Gamepass die Spiele ebenfalls über kostenpflichtige Modelle. Die Frage, wie viele Abonnements Sportzuschauer parallel finanzieren sollen, beschäftigt den europäischen Markt genauso. Der Ausgang der amerikanischen Untersuchung könnte das Tempo prägen, mit dem Live-Sport künftig auf Streaming-Plattformen wandert.

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